Kryptowährungen - Freiheit oder Experiment?

Wenn man sich mit Bitcoin und Co. längere Zeit beschäftigt, wird einem klar, dass es sich um weit mehr handelt, als der Otto-Normal-Medienverbraucher vielleicht denken mag. Populär wurde das Thema „Cryptos“ erst richtig Anfang des Jahres 2017, als es immer häufiger und vermehrt in den verzerrten „Mainstream-Medien“ repräsentiert wurde.

Ein Kommentar von Hannes Holly

Ich muss zugeben, dass mein Interesse für Kryptowährungen auch erst innerhalb dieses Zeitraumes geweckt wurde. Die meisten Leute sind darauf aufmerksam geworden, weil sie dachten, sie könnten mit diesem Spekulationsmittel „schnell“ an Geld kommen. Dass das mehr als peinlich und bedenklich war, sehen wir heute.

Wir haben viele YouTuber, die sich vorher ganz anderen Themen gewidmet haben und jetzt versuchen, ihre törichte Zuschauerschaft zu informieren, was es damit auf sich hat. Diese Pseudoökonomen haben leider keine Ahnung von Kryptowährungen, geschweige denn überhaupt von Wirtschaft und erzählen ihrer meist noch minderjährigen Fangemeinde etwas über Investment. Ein höchst gefährlicher Trend, wenn sie auch die Verantwortung dafür tragen müssten. [Es gibt aber auch gute, informative und kritische YouTuber zu dem Thema.]

Hoffentlich ist der Tiefpunkt der Kurse von Jahresanfang 2018 diesen leichtgläubigen „Zockern“ eine Lehre, dass sie die Finger davon lassen. Ein weiterer Punkt ist die Modalbestimmung „schnell“ in dem vorhin genannten Satz. Jeder halbwegs objektive, kritisch informierte Interessent für „Cryptos“ sollte wissen, dass man Aktieninvestment nicht innerhalb von Sekunden zu Millionen machen kann. Das Gleiche gilt für Bitcoin und Altcoins. [Altcoins = Alternative Kryptowährungen zu Bitcoin] Zu ihrem Verständnis: Da ich mich noch nicht lange (ein halbes Jahr) damit beschäftige und keiner dieser törichten Zocker bin, besitze ich keine Bitcoin, Litecoin, Iota, Monero, Dash, Tether oder Ethereum usw...

Die Befürworter der „Cryptos“

Wir haben in der „Crypto-Community“ zwei verschiedene Lager. Die „Zocker“, die die Cryptos an sich nicht wirklich achten und nur schnell an Cash wollen und die „Idealisten“. Die von mir so betitelten „Idealisten“, meist aus dem libertären Bereich, so wie ich, sind oft schon länger dabei und unterstützen große Erfindungen, wie die „Blockchain-Technologie“. Sie haben den großen Unterschied zum herkömmlichen Geld verstanden. Es ist dezentral. Durch die Dezentralisierung eines selbst funktionierenden Geldsystems sind die Geldmonopole der Zentralbanken und die damit verbundene Korruption und das Unrecht abgeschafft. Die „Blockchain-Technologie“ ermöglicht einen fairen, freien Markt. Inflationen oder andere Probleme, die durch die Aufhebung des Golddeckungswertes verursacht wurden, sind jetzt kaum noch möglich, da eine Obergrenze, bei den meisten zumindest, im Programmiercode festgeschrieben wurde. Eine Obergrenze, die auch der Golddeckungswert ermöglichte, weil es nicht endlos vorhanden ist. Es ist nicht möglich das Geld, durch unkontrolliertes Erschaffen von Papiernoten oder sonstigem digitalen Luftblasengeld, zu entwerten.

Die Kritiker

Doch wir haben bis jetzt nur die Befürworter der Kryptowährungen gehört. Wo bleiben die kritischen Stimmen? Die breite Masse der Kritiker besteht hauptsächlich aus älteren Damen und Herren, die das Ipad, das ihre Kinder ihnen zu Weihnachten geschenkt haben, in den Geschirrspüler stellen und Bereiche, wie das Internet eher meiden.
Das ist auch nachvollziehbar, schließlich sind sie in einem gänzlich anderen Zeitgeist aufgewachsen, als die jüngeren Generationen und haben Angst, irgendwelche Transaktionen zu tätigen, ohne dass sie es mitbekommen und dann von irgendeiner unbekannten Undergroundfirma aus China eine Rechnung zu erhalten, die mit ihrer viel zu niedrigen Rente gar nicht bezahlbar ist.
Jetzt denken Sie bitte nicht, ich würde alle Kritiker als dumm oder veraltet abstempeln und bei Seite schieben. Ich bin selbst ein großer Kritiker von Cryptos.

Die andere Sichtweise...

Starten wir mal einen symulierten Argumentationsaustausch...

Ich sage jetzt: „Hallo? Geht`s noch? Ihr wollt ein komplett digitales Geldsystem, seid ihr wahnsinnig? Muss man euch noch erklären, dass das Bargeld unser einziges Gut der Freiheit ist und dass jede Online-Transaktion von der Regierung überwacht wird? Liegt euch so wenig an einer individuellen privaten Freiheit?“

Darauf käme ein Befürworter der Kryptowährungen und würde erwidern: „Natürlich liegt uns etwas an der individuellen Freiheit. Deshalb ja die dezentrale „Blockchain-Technologie“ und kein Geldmonopol.“

Damit wäre meine Aussage widerlegt. Doch machen wir weiter und jetzt kommt das Entscheidende: „Glaubt ihr ernsthaft, dass Regierungen mit den tiefsten hintergründlichen Machenschaften, mit Geheimdiensten und so weiter, den Braten nicht riechen? Glaubt ihr, dass diese Leute durch die „Blockchain-Technologie“ ihr Geldmonopol nicht sehr gefährdet sehen und das Tier nicht einfach töten bevor es Eier legt? Glaubt ihr, dass es alles so seine Richtigkeit hat, dass man bei einem so komplexen Thema, wie „Cryptos“ kaum Kritiker hört? Warum wird jedem, der etwas dagegen sagt, an den Kopf geworfen, er habe keine Ahnung, selbst wenn es weltweit geschätzte Ökonomen und Finanzexperten von der Wallstreet sind? Sollten wir nicht in Zeiten, in denen Kryptobörsen durch die Regierung geschlossen und staatliche Kryptowährungen, wie der brazilianische „Petro“ eingeführt werden, nicht wissen, wo die Reise hingeht?“ 

Experte: "Abschaffung des Bargeldes unausweichlich"

Ich möchte dazu zum Abschluss Dirk Müller zitieren. Dirk Müller ist ein, von mir hoch geachteter Mensch, einer der wenigen Finanzexperten, der die Leute noch über geheime Machenschaften aufklärt und auf gar keinen Fall jemand, den man als Veschwörungstheoretiker auf die leichte Schippe nehmen kann.: „Ja, also für mich stellt sich die Frage eigentlich nicht mehr, dass Bargeld verboten wird. Die Bargeldabschaffung, die wird kommen, weil alle großen Institutionen ein Interesse an der Abschaffung des Bargeldes haben. Das sind die Politik,die Banken, die Industrie... Es gibt keinen, der ein Interesse am Bargeld hat, außer so ein paar Spinnern, wie wir, die sich um Freiheit und selbstbestimmtes Leben Gedanken machen. Selbst die Masse der Bevölkerung hat kein Interesse daran. Die sagen: „Ist doch bequem mit einem Chip zu bezahlen oder mit einem Handy zu bezahlen, was interessiert mich die Überwachung*...“ Es sind nur so ein paar Irre. Die sich darüber Gedanken machen und die bewirken nun hier nichts mehr, das heißt die Bargeldabschaffung kommt und die wird langsam aus dem System ausgeschlichen. Vielleicht gibt es irgendwann, nach einem großen Crash eine neue Weltleitwährung auf Kryptobasis. Die gibt es dann erst gar nicht mit Scheinen und Münzen, die gibt es dann von Beginn an nur elektronisch. Also ist doch eigentlich wunderbar! Wir haben die Bitcoins, wir haben die Kryptowährungen. Die werden gehypet. Die werden „hip“ gemacht.
Also wer heute wirklich noch glaubt, dass irgendein anonymer Asiate im Hinterzimmer eine Währung zusammengeschraubt hat, die mal eben die Welt aus den Angeln hebt, der hat auch nicht mehr alle Latten am Zaun. Das ist eine Blaupause, Bitcoin ist nichts anderes als eine Blaupause, um mal zu experimentieren, wie können wir später mal eine weltweite Kryptowährung einsetzen. Welche Probleme gibt es? Welche Vorteile und natürlich, wie machen wir es „hip“? Weltweit spricht jeder positiv von Bitcoin, von Kryptowährungen: „Das ist „hip“, das ist modern, das ist underground, das ist klasse!“ Das heißt hier wird Stimmung gemacht für etwas, das wirklich später mal die Welt beherrschen wird und wer hier Kryptowährungen liebt, der braucht auch kein Bargeld mehr.“

 


* Dazu ein schönes Zitat von Edward Snowden: „Wer sagt, Privatsphäre ist mir egal, ich habe nichts zu verbergen, der sagt auch, Meinungsfreiheit ist mir egal, ich habe nichts zu sagen!“

 

Dirk Müller über unsere finanzielle Zukunft

Hier können Sie das Video anschauen.

Quelle: youtube/NTV