Wurde Uwe Barschel von einem Killerkommando ermordet?

Seit 30 Jahren unaufgeklärt

Es ist eines der dunkelsten Kapitel der alten Bundesrepublik: Der Fall Uwe Barschel. Der damalige schleswig holsteinische Ministerpräsident (CDU) wurde am 11. Oktober 1987 in der Badewanne eines Genfer Hotels (in der Schweiz) tot aufgefunden - genau einen Tag, bevor er im Untersuchungsausschuss des Kieler Landtages aussagen sollte. Zeugen gegenüber hatte Barschel kurz vorher geäußert, brisante Details enthüllen zu wollen.  

Tote Zeugen und verschwundene Beweismittel

Uwe Barschel wollte in Genf angeblich einen Kontaktmann treffen, der ihm weitere brisante Unterlagen zuspielen wollte. Allerdings konnte der Fall bis heute nicht gelöst werden. Ermittlungen gerieten immer wieder ins Stocken, Beweismittel verschwanden spurlos und Zeugen kamen auf mysteriöse Weise ums Leben. Erst Jahre nach Barschels Tod, wurden Ermittlungen der zuständigen Lübecker Staatsanwaltschaft eingeleitet.

Immer wieder wurde der Fall von öffentlicher Seite als Selbstmord hingestellt. Dem widerspricht der damalige leitende Lübecker Staatsanwalt Heinrich Wille: "Nach meiner Überzeugung spricht deutlich mehr für Mord als für Selbstmord."

So viel steht heute fest: Damalige Politiker von CDU und SPD waren sehr viel tiefer in die so genannte "Schubladen-Affaire" verstrickt als bisher angenommen. Es ging um milliardenschwere Waffengeschäfte, in die vermutlich auch die DDR-Staatssicherheit verwickelt war. Die Selbstmordtheorie und auch die Version, nach der Barschel aktive Sterbehilfe in Anspruch genommen haben soll, scheidet wohl schon allein durch die Fülle an Ungereimtheiten aus.

Die ARD-Dokumentation "Der Mord an Uwe Barschel" zeigt den aktuellen Stand der Ermittlungen und stellt weitere wichtige Fragen.     

Anmerkung der Redaktion:
Anders als in der Dokumentation dargestellt, soll Uwe Barschel nicht Drahtzieher geheimer Waffengeschäfte gewesen sein, sondern hatte sich nachweislich vehement gegen bestimmte Geschäfte ausgesprochen, von denen er wiederum zufällig erfahren haben soll und diese öffentlich machen wollte. Auch dies könnte ein mögliches Tatmotiv gewesen sein. In einem Interview lieferte der Journalist Wolfram Baentsch weitere hoch brisante Details zum Fall Barschel: So könnte auch Barschels Flugzeugabsturz am 31. Mai 1987, den er als einziger überlebte, ein weiterer Attentatsversuch gewesen sein. Wolfram Baentschs Recherchen hätten auch ergeben, dass eine Zeugin ein Gespräch mit angehört haben soll, in denen die Mordpläne besprochen wurden.      

Möglicherweise sollte der Mord an dem früheren Politiker aus politischen Gründen vertuscht werden. Ein wichtiger Hinweis darauf findet sich auch in der Baseler Zeitung vom 15. Oktober 1987 (4 Tage nach Barschels Tod): "Nach sehr zuverlässigen Informationen (...) haben die politischen und die Justizbehörden von wichtiger deutscher Seite und über mehrere Kanäle den Wunsch übermittelt bekommen, das es in aller Interesse wäre, wenn man diesen Fall als Selbstmord einstufen könnte."    

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Im Zimmer 317 des Genfer Hotels "Beau Rivage" starb Uwe Barschel.  Foto (c) shutterstock

 

Quelle: ARD, youtube/ screenfoto: youtube