Helmut Kohl mit seiner zweiten Frau Maike Kohl-Richter
Das ist nicht die Unterschrift meines Vaters - manipulierte Akten im Hause Kohl?

Vor einem Jahr verstarb Helmut Kohl (1930-2017). Auch nach dem Tod gehen die familiären Streitigkeiten um seinen Nachlass weiter. Wir alle erinnern uns noch an die Bilder aus dem vergangenen Jahr, wie Kohls älterer Sohn Walter gemeinsam mit seinen Kindern vor dem Elternhaus in Ludwigshafen-Oggersheim steht. Einlass wird ihnen nicht gewährt, die Haustür bleibt verschlossen. Maike Kohl-Richter, die Witwe und zweite Ehefrau des Altkanzlers hatte ein Hausverbot verhängen lassen. Was sich damals abspielte, kam einem Trauerspiel gleich - eine Familientragödie, die ganz Deutschland bewegte.  

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Peter Kohl: "Mein Vater lebte wie unter Hausarrest"

Jetzt hat sich Kohls jüngerer Sohn Peter in einem Interview mit dem ZEITmagazin zu den Umständen geäußert. Bis heute war er nicht am Grab seines Vaters - aus Scheu vor den dort aufgestellten Kameras. Diese Überwachung "würde ihn stören", sagt er. 2011 hat er seinen Vater zum letzten Mal gesehen. Er erzählt, wie Helmut Kohl damals im Rollstuhl in eine Art Nachthemd gekleidet allein in der Ecke des Wohnzimmers saß. Es war sein letzter Besuch beim Vater. Weitere Kontaktversuche sollen dann von Kohls zweiter Ehefrau Maike systematisch unterbunden worden sein. "Mein Vater lebte wie unter Hausarrest. Wenn man sich das einmal vor Augen führt, ist das unglaublich traurig". 

 

Helmut Kohl mit seiner Frau Hannelore und den beiden Söhnen 1975 in Leipzig.
Helmut Kohl mit seiner ersten Frau Hannelore und den Söhnen Walter und Peter 1975 in Leipzig  Foto (c) Von Bundesarchiv, Bild 183-P0819-306 / Raphael (verehel. Grubitzsch), Waltraud / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5367681

 

Brisante Stasiakten und die RAF

Aber es geht noch um mehr: Akten, Dokumente und persönliche Unterlagen der Familie. Nach dem Ende der DDR hatten sie alle verfügbaren Stasiakten eingesehen. Manchmal begleitete Peter Kohl seinen Vater zu Terminen in die Stasi-Unterlagen-Behörde. Besonderes interessant dabei sollen Akten sein, die aus der RAF-Zeit stammen. "Die Stasi hat die Personenschutzgruppe des Bundeskriminalamts abgehört, die unsere Familie schützte. Sie wusste, welche Drohungen und Anschlagspläne es gegen Helmut Kohl und seine Angehörigen gab. Mehr dazu könnte ich in der Stasi-Akte meines Vaters finden." Nach dessen Tod hatte er Akteneinsicht beantragt. Die wurde ihm jedoch verweigert. Grund: Es existieren zwei Briefe, in denen sein Vater allen Mitgliedern der Familie die Einsicht in die Akten untersagt - nur seine zweite Frau hat das Recht die Dokumente einzusehen.

Kohl zweifelt Echtheit von Unterschriften an

Zwar tragen die Briefe die Unterschrift seines Vaters, allerdings zweifelt er an der Echtheit dieser Unterschriften: "Ich habe beide Briefe akribisch mit anderen Schriftstücken verglichen, die ich von ihm aus den letzten Jahren habe. Und ich und der Rest der Familie bezweifeln, dass mein Vater diese Briefe unterzeichnet hat, geschweige denn, dass er den Inhalt dieser Briefe so wollte oder überhaupt kannte", so Kohl gegenüber dem ZEITmagazin. Auch eine Veränderung der Handschrift durch den zunehmenden körperlichen Verfall seines Vaters schließt Kohl aus: "Ich habe beschlossen, das gerichtlich überprüfen zu lassen. Es geht dabei um mehr: Ich habe Anhaltspunkte dafür, dass auch weitere Dokumente, die von Helmut Kohl unterzeichnet sein sollen, nicht von ihm stammen." Ihm sei es sehr wichtig, dass alle Unterlagen öffentlich gemacht würden. Nach Kohls Ansicht gäbe es nichts zu verbergen. Die Akten sollten vollständig in die Archive überführt werden, das war schließlich auch seinem Vater immer ein wichtiges Anliegen. 


Grab Helmut Koh's in Speyer
Das Grab von Helmut Kohl auf dem Alten Friedhof in Speyer  Foto (c) Von BlueBreezeWiki - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=60680649

 

 

Quelle: ZEITmagazin