Karl Marx: Genialer Philosoph oder Pate für millionenfachen Völkermord?

Vor 200 Jahren wurde Karl Marx geboren. Ihm zur Ehre lässt die Stadt Trier eine fünf Meter hohe Statue aufstellen - ein Geschenk der Volksrepublik China.

Das SPD-Aufgebot um Fernsehmoderator Günther Jauch war ordentlich an diesem Morgen. Ex-Bundesvorsitzender der Partei, Kurt Beck, die jetzige Vorsitzende Andrea Nahles, ihre Stellvertreterin und Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz Malu Dreyer, die frisch gebackene Justizministerin Katarina Barley und Barbara Hendricks (ehemalige Umweltministerin) - sie alle waren gekommen um zu feiern - nämlich den zweihundertsten Geburtstag von Karl Marx. 

"Guten Morgen und herzlich willkommen an diesem historischen Ort", begrüßte Moderator Jauch das Publikum, das sich vor dem Trierer Geburtshaus versammelt hatte. Dessen Ur-Ur-Ur-Urgroßvater, damals zweiter Bürgermeister von Trier, hatte im Mai 1818 die Geburt des kleinen Marx unter der laufenden Nummer 231 in den Akten dokumentiert. Und so verstand es sich von selbst, dass nun der Ur-Ur-Ur-Urenkel des damaligen Stadtvertreters die historischen Dokumente verlesen musste. 

SPD-Politiker sind sich einig: "Diktaturen haben Marx missbraucht"

"Wir wollen nicht verschweigen, was auch im Namen von Karl Marx für Unrecht geschehen ist", so Kurt Beck, Vorsitzender der Friedrich-Ebert-Stiftung. Und auch für Malu Dreyer steht fest: "Bei Marx gibt es kein Schwarz und Weiß. Man kann ihn auf der einen Seite nicht für Greultaten verantworlich machen, die in seinem Namen begangen worden sind, aber andererseits darf man ihn auch nicht zum Heiligen hochstilisieren." Mit der Ausstellung sei es gelungen ein differenziertes Bild von Marx zu zeichnen, so die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin.    

Und auch Andrea Nahles sieht Marx als einen Vorkämpfer und Theoretiker der Arbeiterbewegung: "Marx hat die Sozialdemokratie geprägt wie kein anderer." Während die Einen Marx benutzt hätten, um "Gewalt und Diktatur zu rechtfertigen", befanden sich andere (geprägt von Marx Ideen) auf dem Weg in eine demokratische Gesellschaft. Marx sei ein "Teil der sozialdemokratischen Geschichte", so die SPD-Bundesvorsitzende weiter.

Gregor Gysi: "Wir brauchen wieder ein anderes Verhältnis zu Marx"

"Karl Marx wurde im Staatssozialismus missbraucht. In Wirklichkeit war er ein Kämpfer und Befreier der Menschen. Diktatur war nicht sein Ziel. Wir sollten Karl Marx endlich befreien und somit ein anderes Verhältnis zu ihm bekommen."  Auch die Opferverbände "sollten für Marx sein", weil er eben "missbraucht worden sei", so der LINKE-Politiker gegenüber phoenix.

Seiner Ansicht nach sei Marx inzwischen wieder sehr populär und immer mehr Menschen würden auch seine Werke lesen, gerade "weil es heute viele Parallelen zu der damaligen Zeit gibt." Gysi fordert, Karl Marx wieder als einen großen Denker der Deutschen anzuerkennen: "Wir sollten endlich lernen, auf Karl Marx stolz zu sein."

Opferverbände: Aufstellung der Marx-Statue ist ein Fehler 

Die Aufstellung einer 5,50 Meter hohen Karl-Marx-Statue ist ein Fehler, davon ist die Union der Opferverbände Kommunistische Gewaltherrschaft überzeugt. Deren Vorsitzender Dieter Dombrowski warf der Stadt Trier einen unreflektierten Umgang mit dem dort geborenen Philosophen vor:  „Karl Marx [...] ist eine  Person der Zeitgeschichte, ohne Zweifel. In seinen Werken hat er aber auch das Kochbuch für alle kommunistischen Diktaturen geschrieben.“ "Marx“, so Dombrowski, „ist weder missverstanden noch missbraucht worden. Die kommunistischen Diktatoren haben sich wortgetreu seine Leitsätze, wie die gewaltsame Beseitigung der Klassenunterschiede, die Abschaffung der Gewaltenteilung, die Abschaffung des Privateigentums und die Unterordnung allen staatlichen Handelns unter das Diktat des Proletariats sowie seinen bösartigen Antisemitismus zu eigen gemacht.“

"Im Namen von Marx sei in vielen Staaten die Freiheit der Bürger mit Füßen getreten worden. Das habe Millionen von Menschenleben gefordert. Während er [Marx] nun geehrt würde, warteten die Opfer des Kommunismus vergeblich auf ein Mahnmal", so Dombrowski gegenüber der Nachrichtenagentur idea.

Um die Marx-Skupltur hatte es im Vorfeld immer wieder Streit gegeben, so hatte der Schriftstellerverband PEN gefordert, sie wegen der Menschenrechtslage in China nicht aufzustellen.

Die Stadt Trier hatte die Statue von der kommunistischen Volksrepublik als Geschenk erhalten. Für das Monument hatten im Stadtrat auch große Teile der CDU-Fraktion gestimmt.

Trier feiert Karl Marx

Hier können Sie das Video anschauen

 

Quelle: idea, youtube, uokg.de, phoenix

 

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