Seit 25 Jahren unaufgeklärt: Der Mord an Deutsche Bank Chef Alfred Herrhausen

„30. November 1989, 8.30 Uhr: Alfred Herrhausen, Chef der Deutschen Bank wird von seinem Chauffeur abgeholt. Die Fahrt geht nach Bad Homburg, Richtung Frankfurter Bankenviertel. Weder dem Fahrer noch den Personenschützern fällt an diesem Morgen das Fahrrad am Straßenrand auf.“ Plötzlich eine gewaltige Explosion .... 

Drei Tage zuvor kaufte Herrhausen für 2,7 Milliarden Mark eine britische Investmentbank und stieg damit ins internationale Investmentgeschäft ein, ein Revier in dem bisher nur japanische und US-Banken Geschäfte machten. Damit wird Herrhausen und seine Deutsche Bank ein gefährlicher Konkurrent. Zuvor hatte er einen Schuldenerlass für Länder der Dritten Welt gefordert, mit dem er sich vor allem die US-Banken zu erbitterten Feinden gemacht hatte.

Alfred Herrhausen gilt zu dieser Zeit als bestgeschützter Wirtschaftsmanager der Bundesrepublik. Neben Personenschützern eines privaten Sicherheitsdienstes der Deutschen Bank sorgt auch ein Sondereinsatzkommando des Hessischen Landeskriminalamtes für seine Sicherheit. Dessen Aufgabe war es im Besonderen, die tägliche Fahrtstrecke auf mögliche Baustellen, Grabungen und die Verlegung von Kabeln zu überprüfen.

 

Fotos 01 bis 05: Die verwendete Waffentechnik wurde im 2. Weltkrieg in Europa und den USA entdeckt: Durch die Explosion verformt sich eine gewölbte Kupferplatte und wird zu einem panzerbrechenden Geschoss. (c) Screenshot-Fotos: ARD - Dokumentation „Die Spur der Bombe - Neue Erkenntnisse im Mordfall Herrhausen“

 

Knapp 2 Monate vor dem Attentat: Auf dem Bürgersteig des Bad Homburger Seedammweges wird eine Baustelle eingerichtet. Unter dem Asphalt soll ein Kabel verlegt werden, um, so wird es sich später herausstellen, eine Lichtschranke zur Zündung der Bombe zu installieren. Immer wieder hantieren die als Bauarbeiter getarnten Attentäter mehre Tage vor dem Anschlag mit Messlatten umher und richten eine Lichtschranke nebst Reflektor ein, die den Sprengstoff zünden soll. Zwei Jogger schieben wenige Tage vor dem Attentat ein Fahrrad an die Stelle, an der sich später die Explosion ereignen wird. Auf dem Gepäckträger ist ein Paket befestigt. Das Observationskommando des LKA bemerkt von diesem tagelangen Treiben offenbar nichts.

Am Tag des Attentats fährt das vorausfahrende Begleitfahrzeug mit einem Abstand von 200 Metern zur dahinter fahrenden, gepanzerten Limousine Herrhausens. Dieser Abstand ist sehr viel größer als sonst üblich. Zur selben Zeit blockiert auf der Parallelfahrbahn ein unbekanntes Fahrzeug den Gegenverkehr und verhindert damit, dass ein anderes Fahrzeug vor Herrhausen die Lichtschranke passieren kann. Auch dies bemerken die Personenschützer angeblich nicht.  Nach der Explosion dauert es 8 bis 9 Minuten bis man dem verletzten Herrhausen zur Hilfe kommt. Er verblutet noch am Unfallort.

Das Phantom RAF

Zwar fand man ein (in Art und Weise für die RAF untypisches) Bekennerschreiben am Tatort, doch stehen die Handschrift des Tathergangs, sowie die Präzision und Schwere des Attentats im krassen Widerspruch zu allen bekannten Anschägen der RAF. Bundesinnenministerium und Bundesanwaltschaft sind sich dennoch schnell einig: Hier hat die RAF zugeschlagen. 

Der Zeuge Siegfried Nonne

Anfang der 80er Jahre wurde Siegfried Nonne als V-Mann in die Frankfurter Linke Szene eingeschleust und vom Verfassungschutz geführt. Der damals 35-jährige drogen- und alkoholabhängige Mann soll zwei hessischen Beamten gegenüber eine Beteiligung am Herrhausen-Attentat zugegeben haben und wird deshalb als Kronzeuge behandelt. Später sagt er gegenüber Journalisten des Fernsehmagazins „Monitor“ aus, er wurde dazu vom Verfassungsschutz gezwungen. Nachdem er die Geldsumme von über 100.000 DM für die Falschaussage abgelehnt hätte, habe man ihm später mit „Selbstmord“ gedroht. Aus Angst habe er dann schließlich eingewilligt ...

Was weiß Josef Ackermann?

Josef Ackermann, bis 2012 Chef der Deutschen Bank und einer der Nachfolger des ermordeten Alfred Herrhausen, sagte in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“ vom 13. Mai 2010 auf die Frage, ob er in der Finanzkrise nicht auch einen Schuldenschnitt hätte vertreten können:

„Ich glaube, es wäre mir genauso ergangen wie Herrn Herrhausen“

Was weiß Herr Ackermann über die Hintergründe des Mordanschlages auf Herrhausen? Kennt er wohlmöglich das Tatmotiv und die Auftraggeber?

Josef Ackermann war von 2006 bis 2012 Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank AG. (c) Foto: shutterstock

Quellen: ARD-Dokumentation: „Die Spur der Bombe - Neue Erkenntnisse im Mordfall Herrhausen; Das Attentat auf Alfred Herrhausen - Rekonstruktion einer Irreführung (DLF/SFB/SR/WDR)